Aufbau der Skala: Phase und genaueres Stadium

Die BBCH-Codierung beschreibt phänologische Entwicklungsmerkmale. Makrostadien von 0 bis 9 geben die Entwicklungsphase an. Zweistellige Mikrostadien beschreiben sie genauer. Die Codierung ermöglicht eindeutige Dokumentation und Austausch zwischen Betrieb, Beratung und Versuchswesen. Wählen Sie für Weizen, Gerste, Roggen oder Hafer den Getreideabschnitt der Skala. Seit dem 1. Januar 2026 muss das BBCH-Stadium dokumentiert werden, sofern die Zulassung es vorschreibt.

Die ausführliche BBCH-Skala bietet das JKI als E-Paper und als PDF an. Öffnen Sie sie, wenn Sie die genaue Mikrostufe brauchen, und wählen Sie dort den Abschnitt Getreide.

Die wichtigsten Orientierungspunkte bei Getreide

Bei Getreide gelten diese Bereiche und Codes; für Zwischenstufen öffnen Sie die vollständige Getreideskala.

Bereich oder CodeBezeichnung
00–07Keimung
11–13Blattentwicklung
21–29Bestockung
31Einknotenstadium
32Zweiknotenstadium
37–39Bereich der Fahnenblattentwicklung
49Grannenspitzen sichtbar
51–59Ährenschieben
61–69Blüte
ab 89Vollreife

Der Bereich 37–39 umfasst das Erscheinen und Entfalten des Fahnenblatts. Bestimmen Sie am Blatt, welcher Einzelschritt erreicht ist.

Blattentwicklung und Bestockung prüfen

Bei BBCH 11 ist das erste Laubblatt entfaltet und die Spitze des zweiten sichtbar. BBCH 12 bis 19 kennzeichnet weitere entfaltete Laubblätter. Zählen Sie bei der Bestockung dagegen die Seitentriebe: BBCH 21 steht für den ersten, 22 für den zweiten und 23 für den dritten sichtbaren Bestockungstrieb.

Knotenstadien am untersuchten Halm unterscheiden

BBCH 31 bezeichnet das Einknotenstadium, BBCH 32 das Zweiknotenstadium. Vergleichen Sie die Abbildung mit dem tatsächlich betrachteten Halm. Bei BBCH 30 steht die Ähre mindestens einen Zentimeter über dem Bestockungsknoten. Bei BBCH 31 liegt der erste Knoten mindestens einen Zentimeter über dem Bestockungsknoten. Bei BBCH 32 ist der zweite Knoten mindestens zwei Zentimeter vom ersten entfernt.

Fahnenblatt, Ährenschieben und Blüte auseinanderhalten

Bei BBCH 37 erscheint das noch eingerollte Fahnenblatt; bei BBCH 39 ist es voll entwickelt. BBCH 45 bezeichnet die geschwollene Blattscheide. Grannenspitzen werden mit BBCH 49 erfasst. Prüfen Sie getrennt, ob Grannen sichtbar sind, die Ähre aus der Blattscheide heraustritt (BBCH 51–59) oder bereits Blütenmerkmale (BBCH 61–69) vorliegen.

Kornbildung und Reife am Korn prüfen

Bei BBCH 71 beginnt die Kornbildung mit wässrigem Korninhalt. In der Mitte der Milchreife bei BBCH 75 ist er milchig. Zur Teigreife bei BBCH 85 wird der Inhalt weich und trocken. Bei der Gelbreife, BBCH 87, bleibt ein Fingernageleindruck bestehen. Vollreife bei BBCH 89 bedeutet ein hartes, kaum zu brechendes Korn. Mit BBCH 92 ist es totreif und nicht mehr zu brechen.

Einzelpflanze und Bestand als zwei Beobachtungen kennzeichnen

Unterscheiden Sie beim Notieren die beobachtete Einzelpflanze vom gesamten Bestand. Die Skala unterscheidet die Beobachtung der Einzelpflanze von der Bewertung des Bestands: Beim Bestand muss das Merkmal auf mindestens 50 % der Pflanzen zutreffen. BBCH steht für Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, Bundessortenamt und Chemische Industrie.

Gerstenkrankheiten unterscheiden: Blattflecken, Pusteln und Mehltau bestimmen

Diese Schadbilder unterscheiden die häufigsten Blattkrankheiten der Gerste:

KrankheitSchadbild am Blatt
Mehltauauf Blattspreiten und -scheiden zuerst zarte, spinnwebartige weiße Pusteln, später filzartige Überzüge
Zwergrostpunktförmige, orangebraune Rostpusteln, meist von hellen Höfen umgeben, zerstreut angeordnet
Gelbrostgelb-orange Rostlager ohne deutlichen Hof, streifenförmig zwischen den Blattnerven
Netzfleckenbraune Netz- oder Flecken-Symptome in unregelmäßiger Form und Größe, meist mit gelbem Hof
Rhynchosporiumanfangs ovale, wässrig-graugrüne Flecken von 1 bis 2 cm Länge, später mit fahlgrauem Zentrum und dunkelbraunem Rand
Ramularianach dem Ährenschieben schokoladenbraune Flecken von 1 bis 2 mm², seitlich von den Blattadern begrenzt, meist mit gelbem Hof
Physiologische Blattfleckenpunktförmige Vergilbungen, die in wenigen Tagen zu rotbraunen Sprenkelnekrosen werden

Flecken mit Hof auseinanderhalten

Netzflecken, Rhynchosporium und Ramularia bilden braune Flecken, die sich in Größe und Zeitpunkt unterscheiden. Rhynchosporium-Flecken messen 1 bis 2 Zentimeter und treten anfangs nesterweise im Bestand auf. Ramularia-Flecken sind mit 1 bis 2 Quadratmillimetern deutlich kleiner und erscheinen erst nach dem Ährenschieben (BBCH 51 bis 59). Netzflecken sind unregelmäßig geformt und meist von einem gelben Hof umgeben.

Ramularia ist mit empfindlichen Methoden schon auf dem Saatgut und in frühen Entwicklungsphasen nachweisbar, ohne dass typische Schadsymptome entstehen.

Rostpusteln zuordnen

Zwergrost bildet einzelne, punktförmige orangebraune Pusteln mit hellem Hof, Gelbrost dagegen gelb-orange Streifen ohne deutlichen Hof zwischen den Blattnerven. Gelbrost tritt bei Weizen und Triticale häufiger auf als bei Gerste. Ähnlich streifige Verbräunungen entstehen durch Netzflecken- oder Streifenkrankheit, streifenförmige Blattschäden durch Larven der Getreidehähnchen und Gerstenminierfliegen.

Wenn kein Pilz die Ursache ist

Rhynchosporium-ähnliche Symptome entstehen nach unsachgemäßer Anwendung von Kontaktherbiziden und Blattdüngern. Mehltau bildet bei ungünstigen Infektionsbedingungen braune Blattflecken, braune Flecken entstehen aber auch durch Netzflecken oder Magnesiummangel. Das Vergilben der untersten Blätter, das wie Mehltau aussieht, tritt auch bei Trockenheit, Nährstoffmangel, Kälte oder Nässe auf.

Bekämpfungsschwellen im Gerstenmodell Bayern

Für die Blattkrankheiten gelten diese Schwellen und Zeitpunkte:

Leafwrit

Pflanzenschutz-Aufzeichnungen an einem Ort führen. Kostenlos starten.

KrankheitSchwelle oder Zeitpunkt im Gerstenmodell Bayern
Mehltau50 % Befallshäufigkeit auf den Indikationsblattetagen
Zwergrost30 % Befallshäufigkeit der Haupttriebe
Netzflecken20 % Befallshäufigkeit auf den Indikationsblattetagen, Fungizide ab Beginn des Schossens
Rhynchosporium50 % Befallshäufigkeit auf den Indikationsblattetagen
Gelbrostsystemische Rostfungizide bei den ersten Befallsnestern

Gelbrost tritt anfangs ungleichmäßig auf und erfordert intensive Bestandskontrollen.

Ramularia in Gerste und Wintergerste: Behandlung und Entwicklungszustand

Prüfen Sie vor einer Ramularia-Behandlung in Gerste, auch in Wintergerste, das Schadbild und den Entwicklungszustand; die Behandlung richtet sich nach dem Befallsdruck. Nach dem Ährenschieben erscheinen schokoladenbraune Ramularia-Flecken. Der Erreger bildet Giftstoffe, die ihre Schadwirkung erst unter Einwirkung von Strahlung entwickeln; daraus ergibt sich eine Wechselwirkung mit physiologischen Blattflecken.

Bei mittlerem Pilzbefallsdruck kommt eine Einmalbehandlung infrage; bei sehr frühem Befallsdruck eine Doppelbehandlung. Die Schossbehandlung bei BBCH 31 bis 33 ist nur bei frühem Befallsdruck nötig. Die Spritzfolgen stehen in der bayerischen Fungizidstrategie 2026.

Das typische Schadbild am Bestand beschreiben

Die Flecken sind seitlich von Blattadern begrenzt und häufig von einem gelben Hof umgeben. Unter der Lupe können auf der Blattunterseite reihig angeordnete weiße Sporenträgerbüschel erkennbar sein. Bei stärkerem Auftreten erhalten auch Halme, Spelzen und Grannen ein gesprenkeltes Aussehen.

Ramularia und physiologische Blattflecken auseinanderhalten

Physiologische Blattflecke beginnen als punktförmige Vergilbungen und gehen in rotbraune Sprenkelnekrosen über. Den größten Einfluss hat hohe Sonneneinstrahlung zwischen Fahnenblatt-Stadium und Beginn der Kornbildung. Hitze, Trockenheit, verminderte Verfügbarkeit von Haupt- und Spurennährstoffen sowie Luftschadstoffe verstärken die Belastung: In der Pflanze entsteht oxidativer Stress, giftige Sauerstoffverbindungen zerstören die betroffenen Zellen. Auch Ramularia breitet sich in durch physiologischen Stress vorgeschädigtem Gewebe besonders schnell aus.

Stressflecken nach ihrer Blattetage einordnen

Physiologische Blattflecken beginnen nach dem Fahnenblattstadium meist am dritten Blatt von oben, bezeichnet als F-2. Danach erfassen sie F-1 und das Fahnenblatt. Bei überlappenden oder verdrehten Blättern können beschattete Bereiche zunächst grün bleiben. Prüfen Sie deshalb auch die Lage der Verbräunungen zum Lichteinfall.

Ramularia-Bekämpfung in Gerste: die aktuelle Strategie wählen

Die Behandlung bei BBCH 39 bis 55, bei Umstellung auf strahlungsreiche Witterung, richtet sich gegen Ramularia-Sprenkelkrankheit, Netzflecken, Rhynchosporium und Zwergrost, in zweiter Linie gegen Mehltau. In Gebieten mit regelmäßigem Ramularia-Auftreten kommt Folpet als Kontaktpartner hinzu, etwa 1,5 l Folpan 500 SC, oder alternativ 1,5 l Amistar Max. Bei späteren Behandlungen, in Gebieten ohne regelmäßigen Ramularia-Befall oder in Sommergerste sind auch um 20 Prozent verminderte Aufwandmengen möglich. Prüfen Sie vor dem Einsatz die Zulassung der gewählten Kombination. Schwefel als Kontaktmittel ist eine Alternative mit meist geringerer und unsichererer Wirkung, zum Beispiel 4,0 l Thiopron oder 2,5 bis 4,0 kg Schwefel über sonstige Schwefelpräparate.

Zur Resistenzvermeidung ist in Spritzfolgen die Beschränkung von Strobilurin- und SDHI-Präparaten auf je eine Anwendung in der Vegetation ratsam. Zu den Strobilurin-Präparaten gehören beispielsweise Amistar Max und Comet; SDHI-Präparate sind unter anderem Elatus Era, Pioli und alle Xpro-Mittel.

Blattgesundheit bei der Sortenwahl berücksichtigen

In den nordrhein-westfälischen Versuchen 2026 erzielt KWS Chilis in vielen Versuchen hohe bis sehr hohe Erträge, allerdings nicht auf allen Standorten; die Sorte bietet dreifachen Virenschutz gegenüber GMV1+2 und GVV und zeigt geringe Ramularia-Anfälligkeit. Agathe zeigt deutliche Schwächen in der Blattgesundheit, vor allem gegenüber Rhynchosporium, Zwergrost und Ramularia.

Physiologischem Stress, der Ramularia begünstigt, beugen ausgewogene Düngung, optimale Bestandesdichte und die Vermeidung von Lager vor.

Ein Boniturblatt lesbar aufbauen

Damit Sie später nachvollziehen können, was Sie beobachtet haben, halten Sie diese Punkte fest:

BereichNachvollziehbarer Inhalt
HerkunftSchlagbezeichnung, Sorte, Winter- oder Sommergerste
EntwicklungTatsächlich festgestellter Entwicklungszustand mit Beobachtungstag
SymptomeBetroffene Blattetage, Ober- und Unterseite, Verteilung im Bestand
VergleichBeschriftete Aufnahmen beziehungsweise wiederauffindbare Probestelle
AusgangslageVorhandene Maßnahmen und dazugehörige Journaleinträge
EntscheidungDiagnosefrage, Beratungskontakt, Ergebnis und nächster Arbeitsschritt

Produktprüfung vor der Umsetzung abschließen

Prüfen Sie die ausgewählte Gerstenanwendung im amtlichen Register mit vollständigem Namen und Zulassungsnummer. Ordnen Sie Kultur und Schadorganismus der tatsächlichen Indikation zu und vergleichen Sie die Bedingungen mit dem vorgesehenen Zeitpunkt und Arbeitsumfang. Auch für Mischungen gelten die Anwendungsbedingungen jedes Produkts weiter.

Zulassungsvoraussetzungen nach § 12 Pflanzenschutzgesetz

Pflanzenschutzmittel dürfen einzeln oder gemischt mit anderen nur angewandt werden, wenn sie zugelassen sind, die Zulassung nicht ruht und nur in den in der Zulassung festgesetzten, jeweils gültigen Anwendungsgebieten sowie entsprechend den jeweils gültigen Anwendungsbestimmungen.

Aufzeichnungspflicht nach § 11 Pflanzenschutzgesetz

Die Aufzeichnungen der beruflichen Verwender sind nach Artikel 67 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 grundsätzlich elektronisch zu führen; bis zum Ablauf des 31. Dezember 2026 können sie auch schriftlich geführt werden. Der Leiter eines landwirtschaftlichen Betriebes ist verpflichtet, die Aufzeichnungen für die bewirtschafteten Flächen seines Betriebes unter Angabe des jeweiligen Anwenders zusammen zu führen.

Tragen Sie nach der Ausführung den tatsächlichen Behandlungsvorgang ins Journal ein. Halten Sie bei einer späteren Bonitur fest, ob neue Flecken auf F-2, F-1 oder dem Fahnenblatt hinzugekommen sind.

Nächster Schritt